BUND Kreisgruppe Duisburg

"Der stumme Frühling wird Wirklichkeit..."

12. April 2021

Uferschnepfe

Natürlich hört man noch den einen oder anderen Vogel im Garten singen. Aber unbemerkt von den meisten Bürgern vollzieht sich in der freien Landschaft auch in Duisburg ein dramatischer Verlust an Vogelarten. Noch gibt es beispielsweise im Binsheimer Feld und im Mündelheimer Rheinbogen
die Feldlerche, die mit ihrem herrlichen Gesang gerade jetzt den Frühling einläutet. In vielen Landschaftsschutzgebieten in Duisburg sind sie aber bereits verschwunden. Auch die sogenannten Wiesenvögel werden allesamt in wenigen Jahren ausgestorben sein. Drei der vier in Duisburg
bisher vorkommenden Arten sind hier bereits verschwunden: Das "Meckern" der Bekassine ist schon seit 1984 verstummt. Die Uferschnepfe, zuletzt noch in der Rheinaue Walsum brütend, ist 1999 ausgestorben. Auch der melodische Flugruf des Rotschenkels ist seit 2010 nur noch auf dem
Durchzug zu hören. Bis dahin hatte er ebenfalls in der Rheinaue Walsum gebrütet. Es kommt nicht von ungefähr, dass nur noch Fachleute diese Vogelnamen überhaupt noch kennen. Sie waren nicht nur in Duisburg selten, sondern in ganz NRW. Im ganzen Land gehen ihre Bestände
dramatisch zurück. Auch die letzte in Duisburg noch heimische Wiesenvogelart, der Kiebitz, wird in wenigen Jahren in Duisburg ebenfalls ausgestorben sein. Noch vor 20 Jahren waren es über 150 Brutpaare, 2019 nur noch 5 Paare. Neben der Feldlerche geht es auch
anderen Sinvogelarten ähnlich. Alle bodenbrütenden Arten finden keine geschützten Neststandorte mehr mit gesicherten Nahrungsvorkommen.

Die Gründe sind vielfältig. Neben dem Lebensraumverlust durch Intensivierung der Nutzung und fortschreitende Bebauung in den Duisburger Außenbereichen spielen auch Nachstellungen durch den eingeschleppten Waschbären eine große Rolle. Eine große Gefahr sind auch
die Störungen durch Spaziergänger abseits der Wege, mit und ohne frei laufende Hunde. Schon wenige Störungen bei kühler Witterung führen dazu, daß die Altvögel das Nest verlassen, und das bringt die Eier zum Abkühlen und Absterben. Viele Spaziergänger haben da kein
Unrechtsbewußtsein, wenn sie die Verbotsschilder mißachten und in den Rheinwiesen abseits der Wege umherstreifen. Viele zeigen sich auch bei einer Aufklärung über die Situation uneinsichtig. Das ist die bittere
Erkenntnis jahrzehntelanger Erfahrungen der Duisburger Naturschutzwächter. Das Laufenlassen des eigenen Hundes wird als so wichtig erachtet, daß dafür der Tod vieler Jungvögel in Kauf genommen wird. Der stumme Frühling wird gerade Wirklichkeit und es sieht so aus,
daß der Totalverlust der bodenbrütenden Vogelarten nicht mehr aufzuhalten ist.

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